Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Lese bietet der Domaine René Rostaing 2004 genau jene Art von Genuss, für die gereifter Côte-Rôtie besonders geschätzt wird: Duftigkeit, würzig-herzhafte Komplexität und Finesse statt schierer Kraft. Eine einwandfreie Flasche sollte inzwischen voll entwickelt und trinkreif sein. Ihr Zustand hängt jedoch stark von der Lagerung, der Unversehrtheit des Korkens und der jeweiligen, auf dem Etikett angegebenen Rostaing-Cuvée ab.
Ein Referenzweingut der Côte-Rôtie
René Rostaing gründete sein Weingut in den 1970er-Jahren und erweiterte es später um bedeutende Weinbergsparzellen, die mit zwei gefeierten Winzern verbunden waren: seinem Schwiegervater Albert Gentaz-Dervieux und seinem Onkel Albert Dervieux. Der daraus hervorgegangene Besitz umfasst Parzellen in renommierten Lagen der Côte-Rôtie wie Côte Blonde und La Landonne. Bis heute steht das Weingut für feine, terroirbewusste Interpretationen des Syrah von der nördlichen Rhône.
Die Côte-Rôtie liegt rund um Ampuis an steilen Hängen oberhalb der Rhône. Syrah ist die Hauptrebsorte der Appellation, während die lokalen Vorschriften bis zu 20 Prozent Viognier erlauben, sofern beide Sorten gemeinsam vergoren werden. Das bedeutet weder, dass jeder Wein Viognier enthält, noch dass jeder Erzeuger einen nennenswerten Anteil verwendet. In der Praxis können die Lage, das Alter der Reben, die Extraktion, der Ausbau sowie der Anteil ganzer Beeren oder Rappen das spätere Aroma und die Textur prägen.
Warum der Jahrgang 2004 von Bedeutung ist
Die Vegetationsperiode 2004 folgte auf die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit des Jahres 2003. Sie war insgesamt kühler und gemäßigter und brachte an der nördlichen Rhône Weine hervor, die eher Frische, Pfeffer, rote und dunkle Früchte sowie eine moderate Struktur betonen als die mit heißeren Jahren verbundene Dichte. Die Qualität war in der Region nicht einheitlich, weshalb die sorgfältige Selektion durch die Winzer entscheidend war. Auf einem akribisch arbeitenden Weingut wie Rostaing konnte der Jahrgang ausgewogene Weine mit ausgesprochen klassischen Proportionen hervorbringen.
Ein gereifter Côte-Rôtie muss nicht wuchtig sein, um zu faszinieren; seine größte Qualität liegt oft darin, wie die Frucht allmählich Duft, erdigen Noten und Textur Raum gibt.
Was im Glas zu erwarten ist
Keine Verkostungsnotiz kann den Zustand einer Flasche aus dem Jahr 2004 garantieren, doch ein gut gelagertes Exemplar kann Aromen von getrockneter Himbeere, Schwarzkirsche, Veilchen, zerstoßenem Pfeffer, Rauchfleisch, Olive, Leder und Waldboden zeigen. Die Frucht dürfte zurückhaltender sein als in der Jugend, während Säure und feinkörniges Tannin für Kontur sorgen sollten. Mit längerem Luftkontakt kann gereifter Syrah zudem Noten offenbaren, die an Teeblätter, Eisen, Wild, Kräuter oder Pökelfleisch erinnern.
Diese herzhaften Aromen machen einen Teil seines Reizes aus. Deutliche Essignoten, nasse Pappe, anhaltende Muffigkeit oder ein flaches, vorzeitig bräunliches Erscheinungsbild können jedoch auf Verderb, Korkfehler oder schlechte Lagerung hindeuten. Depot ist bei einem Wein dieses Alters völlig normal und stellt keinen Fehler dar.
Ist er trinkreif?
Ja – mit einer wichtigen Einschränkung. Im Jahr 2026 liegt die Lese des Jahrgangs 2004 bereits 22 Jahre zurück, und der Wein sollte als gereift gelten. Eine regionale Côte-Rôtie- oder Gutsabfüllung dürfte von einer unbegrenzten weiteren Lagerung kaum profitieren. Rostaings Einzellagenweine, darunter Côte Blonde und La Landonne, können eine größere Konzentration und Langlebigkeit besitzen, doch auch sie sollten jetzt ein komplexes Trinkerlebnis bieten, sofern sie gut gelagert wurden.
Sammler sollten die Provenienz prüfen, statt sich allein auf das Etikett zu verlassen. Eine Flasche, die durchgehend in einem kühlen, dunklen Keller aufbewahrt wurde, ist eine wesentlich sicherere Wahl als eine mit unbekannter Lagerhistorie. Prüfen Sie den Füllstand, die Kapsel und mögliche Anzeichen von Auslaufen sowie darauf, ob der Korken herausgedrückt oder verfärbt erscheint. Keines dieser Indizien ist unfehlbar, doch zusammengenommen geben sie Hinweise auf den Zustand.
So öffnen und servieren Sie ihn
Stellen Sie die Flasche mindestens einige Stunden, vorzugsweise einen Tag lang, aufrecht hin, damit sich das Depot absetzen kann. Servieren Sie den Wein bei etwa 16–18 °C und damit etwas kühler als bei üblicher Zimmertemperatur. Öffnen Sie die Flasche vorsichtig mit einem Zweizinken-Korkenzieher oder einem speziellen Öffner für alte Weine, da ein 22 Jahre alter Korken brüchig sein kann.
Dekantieren Sie in erster Linie, um den klaren Wein vom Depot zu trennen. Geben Sie ihm nicht automatisch mehrere Stunden Luft: Gereifter Côte-Rôtie kann sich rasch entfalten und anschließend wieder abbauen. Probieren Sie ihn unmittelbar nach dem Öffnen. Wirken die Aromen verschlossen, lassen Sie den Wein 20 bis 40 Minuten in einer Karaffe oder einem großzügig bemessenen Glas atmen. Saubere, geruchsfreie Stielgläser sind besonders wichtig, da der Reiz des Weins in seinen aromatischen Feinheiten liegt.
Speisebegleitung und die Tafel
Die zu erwartende Eleganz des 2004ers macht ihn vielseitiger als einen stark extrahierten Syrah. Entenbraten, Lamm mit Rosmarin, Perlhuhn, Pilzrisotto, Linsen mit geräucherter Wurst oder mit Schalotten geschmortes Rindfleisch können seinen erdigen und pfeffrigen Charakter ergänzen. Vermeiden Sie ausgesprochen süße Saucen, übermäßige Chilischärfe oder sehr kräftige Essigdressings, die die gereifte Frucht überdecken könnten.
Für ein Abendessen mit Gästen empfiehlt es sich, vor deren Ankunft eine Ersatzflasche zu öffnen; ältere Weine bergen immer ein gewisses Risiko. Côte-Rôtie belohnt außerdem ein gemächliches Mahl. Schenken Sie kleine Mengen ein, kehren Sie immer wieder zum Glas zurück und beobachten Sie, wie sich Veilchen- und Fruchtnoten hin zu Olive, Leder und Waldaromen entwickeln können. Diese Entwicklung ist nicht bloß eine Kuriosität – sie ist das zentrale Vergnügen beim Genuss eines gereiften Syrah von der nördlichen Rhône.
Das Fazit
Beim Domaine René Rostaing 2004 geht es vor allem um Feinheit, nicht um Kraft. Eine gute Provenienz vorausgesetzt, sollte er jetzt geöffnet und nicht für ein fernes Jubiläum aufgehoben werden. Behandeln Sie ihn behutsam, kombinieren Sie ihn mit herzhaften Speisen und lassen Sie seinen gereiften Duft die Geschichte eines kühleren, klassisch geprägten Côte-Rôtie-Jahrgangs erzählen.




